20.09. Cape Wrath Trail Tag 15 von der Sandwood Bay zum Cape Wrath
20.09. Cape Wrath Trail Tag 15 von der Sandwood Bay zum Cape Wrath
Um halb sieben Uhr morgens bin ich schon wach. Zum allerlasten Mal auf diesem Trail gibt es die obligatorischen Nutella-Bagels und einen heissen Kaffee zum Frühstück. Eine Stunde später bin ich ready to go. Heute heisst die Devise: nochmals jeden einzelnen Meter in vollen Zügen geniessen! Bald werde ich vor dem Leuchtturm stehen, aber bis dorthin ist es noch ein gutes Stück Arbeit.
Ich ging zuerst nochmals hinunter an den Strand und folgte der Brandung bis zu ihrem nördlichen Ende. Hier fliesst das Wasser vom Sandwood Loch über den Sand direkt ins Meer.
Der Bach ist an dieser Stelle gut 10 Meter breit, aber ich entdeckte eine einigermassen flache Stelle zum Furten. Also: Socken ausgezogen, barfuss rein in die nassen Wanderschuhe und rüber ging es durch das knietiefe Wasser. Auf der anderen Seite angekommen, schlüpfte ich wieder in die trockenen Socken – nur um wenig später am nächsten Fluss, dem Amhainn Strath Chailleach, das exakt gleiche Spiel nochmals zu wiederholen. Diesmal stand mir das Wasser allerdings bis zur Hüfte! Nasser konnte ich ja eh nicht mehr werden.
Zwischen mir und dem Cape warteten nun noch zwei kleinere Hügel, die natürlich auch noch bezwungen werden wollten. Also stieg ich erst einmal hoch auf den Cnoc Gheodha Ruaidh. Von dort aus lief ich der spektakulären Steilküste entlang bis zur Bay of Keisgaig
Hier stand ich nun: direkt vor dem Zaun der Cape Wrath Military Firing Range. Hier flatterten heute keine roten Fahnen! Es wird also aktuell nicht geschossen, das Gelände ist frei und ich kann unbesorgt weiterwandern.
Noch ein allerletztes Mal ging es hinunter auf Meereshöhe, wo der letzte Bach des Trails überquert werden musste. Auf der anderen Uferseite stieg ich hoch zum finalen „Gipfel“ dieser Reise. Mit seinen 230 m ü. M. liegt dieser Hügel zwar einiges tiefer als Basel, aber egal: Gipfel ist Gipfel! Ich setzte den Rucksack ab und gönnte mir einen kräftigen Schluck aus der Whiskyflasche.
Am Ende der Welt
Der Pfad führte mich einfach immer schön stur nach Norden, bis ich schliesslich auf die einspurige Versorgungsstrasse traf. Und dann, nach den letzten Metern auf dem Asphalt, stand er plötzlich vor mir: Der Leuchtturm am Cape Wrath, dem nordwestlichsten Punkt der britischen Hauptinsel!
In diesem Moment erging es mir wieder ganz genau so wie damals am Nordkapp. Ich bin am Ziel. Von hier aus geht es ab jetzt nur noch zurück, aber nicht mehr weiter nach Norden. Doch eigentlich war ja der Weg das grosse Ziel – und der weisse Leuchtturm hier am windumtosten Kap ist bloss das Nice to have vom Cape Wrath Trail.
Ich werde mich ganz sicher voller Sehnsucht an diese grandiose Zeit in den schottischen Highlands zurückerinnern: an die extrem remote, schneeweisse Maol-Bhuidhe-Bothy, an die vier Belgier und ihr nerviges Plastikrascheln in der Shenevall Bothy, an den magischen Tag voller Regenbogen und Einsteins Relativitätstheorie, die wird mich ab jetzt wohl für immer an die tollen Kinder in der Schoolhouse Bothy erinnern.
Und Miah? Ich hatte nicht wirklich vergessen, Dir deine geliehene Socke wieder zurückzugeben... Ich habe sie bewusst behalten, weil sie für mich das schönste Erinnerungsstück an diese unverhoffte Trail-Magic ist.
Merci, Schottland! Ich hatte wieder ein riesengrosses Fest und ich werde ganz sicher wieder zurückkehren. And last but not least: Doris, merci vielmals, dass ich dieses unfassbare Abenteuer machen durfte!
Eintrag ins Tourbuch am Cape Wrath
Vorsicht hier hat es Nilpferde und Krokodile
Die Beiden haben zusammen am gleichen Tag wie ich den CWT gefinished.
Mit dem Schlauchboot ging es dann über den Kyle of Durness










Kommentare
Kommentar veröffentlichen