18.09. Cape Wrath Trail Tag 13 von Kylestrome nach Kinlochbervie

 18.09. Cape Wrath Trail Tag 13 von Kylestrome nach Kinlochbervie





Auch für diese Etappe meint Komoot wieder das Übliche: „Die übliche Dauer für diese Tour liegt bei 2 bis 3 Tagen.“
Immerhin muss ich heute nur etwas mehr als 800 Höhenmeter hoch und runter – da dürfen es ja auch ein paar Kilometer mehr werden als gestern. Nach einem feinen Frühstück mit Spiegelei hiess es Abschied nehmen von meinen tollen Gastgeberinnen. Ich machte mich auf den Weg zum letzten echten Berggipfel des CWT, dem Ben Dreavie, während es für Miah und Ruby Zeit wurde, den Schulbus zu erwischen.
Die Familie lebt hier so remote, dass die Mädchen die nächste Schule im 55 Kilometer entfernten Ullapool besuchen! Das bedeutet jeden Tag eine Stunde Busfahrt am Morgen und eine weitere am Abend. Ich habe Miah gefragt, ob das auf Dauer nicht extrem mühselig sei. Sie meinte, während des Lockdowns wäre wegen dem Homeschooling natürlich die ganze Fahrerei weggefallen. Aber so freue sie sich tagsüber einfach, mit ihren Schulkameraden zusammen zu sein. Hier zu wohnen, sei eben etwas ganz Besonderes, und sie möchte das um nichts in der Welt mit einem Haus in der Stadt tauschen. Ja, das kann ich nach der gestrigen Nacht mehr als gut nachvollziehen!
Der letzte Gipfel: Hügel-Arithmetik
Von Kylestrome aus führt ein guter ATV-Track nach Nordosten zur A838. Nach 8 Kilometern entdeckte ich am linken Strassenrand einen kleinen Steinmann. Ein untrügliches Zeichen, dass hier wohl ein Wanderweg abzweigt. Kurzer Kontrollblick aufs Handy: Ja, das ist der Abzweiger des CWT.

Ich folgte dem Pfad hoch auf den Ben Dreavie. Mit seinen 510 m ü. M. ist das zwar eher ein Hügel als ein Berg, aber trotzdem der höchste Punkt der heutigen Etappe. Und da ich praktisch auf Meereshöhe gestartet bin, habe ich auch exakt plus-minus 510 Höhenmeter am Stück gemacht. (Ich habe es extra mit dem Taschenrechner nachgezählt, sollte also stimmen!)

Danach ging es in einem grossen Bogen um den markanten Ben Stack herum zum Loch na Seilge mit seiner hübschen, kleinen Insel mitten im See. Von hier aus führte der Pfad steil hinunter zur A838. Unten angekommen, überlegte ich kurz, ob ich nicht einfach die wenig befahrene Landstrasse bis nach Rhiconich nehmen sollte. Dadurch wäre mir die berüchtigte Flussquerung beim Garbh Allt erspart geblieben, die bei Hochwasser als absolut unpassierbar gilt. Aber ganz ehrlich: Das wäre irgendwie Cheaten gewesen! Also hielt ich mich brav an meine geplante Route. Es warteten ja schliesslich noch zwei, drei schöne Seen auf mich, an denen ich entlanglaufen wollte.
Denkste.
So, und jetzt wird es Zeit für eine Beichte...
Wenn ich lange wandere, gibt es für mich vor allem eine eiserne Regel, die ich unter keinen Umständen brechen will: Es wird nicht über das Wetter oder den Weg geflucht.
Es gibt einfach kein schlechtes Wetter, es gibt nur undichte Schuhe und undichte Regenjacken. (Zugegeben, wenn es tagelang ununterbrochen pisst, ist die Bezeichnung „schlechtes Wetter“ schon verdammt nah an der Realität.) Und selbst wenn der Weg absolut scheisse ist, verfluche ich weder den Pfad noch denjenigen, der mal gesagt hat: „Hier gehen wir entlang!“ Für diese zwei Dinge fluchst du als Wanderer einfach nicht. Das Wetter kannst du nicht ändern, und den Weg hast du dir schliesslich selber ausgesucht.
Bis zum Loch a’ Garbh-bhaid Mòr war auch eigentlich alles noch im grünen Bereich. Aber ab hier führt der CWT direkt am Ufer entlang. Und dieser Pfad ist sumpfig, er ist schmal, er ist rutschig – und alles, wirklich alles hier ist klatschnass.
Ich mache 10 Schritte und rutsche voll auf den Allerwertesten. Keep cool und keep on going, denke ich mir noch. 20 Schritte weiter und – zack! – liege ich schon wieder am Boden. 2 Schritte später steckt der Fuss bis zum Schienbein tief im Sumpf. Nach weiteren 5 Schritten haut es mich schon wieder auf die Knie. Und genau so ging das irgendwie den ganzen verfluchten See entlang!
Irgendwann, ich lag gerade mal wieder klatschnass im Gras, riss mir dann endgültig der Geduldsfaden. Ich kniete mich mitten in den Matsch und schrie wie ein Rohrspatz auf den Weg ein! Ich habe denjenigen verflucht, der meinte, dass der CWT unbedingt auch noch durch diesen Sumpf führen müsste, dass das ja wohl der grösste Mist auf Erden sei und überhaupt: Das sind die verschissensten 10 Kilometer vom ganzen Trail! Zur Strafe für diese Unverschämtheit habe ich beschlossen, kein einziges Foto von diesem stinklangweiligen, blöden See zu machen! So.
Der Sumpf-Highway geht in die Verlängerung


Zum Glück hatte der Garbh Allt wenigstens kein Hochwasser. Der Fluss hatte zwar ordentlich Zug und das Wasser ging mir fast bis zur Hüfte, aber das Furten war nicht wirklich schwierig. Nasser als ich ohnehin schon war konnte ich ja eh nicht mehr werden.
Der Weg ging nun weiter am zweiten See und am Loch Rhiconich entlang. Und ja: Auch hier war es wieder sumpfig, rutschig, nass – und ja, auch hier habe ich wieder geflucht wie ein Rohrspatz! Was für ein verdammter Mistweg.
Was soll’s, dachte ich mir, in Rhiconich gibt es ein Hotel. Da holst du dir jetzt zuerst einen warmen Kaffee und danach ein eiskaltes Bier. Tja, falsch gedacht. Das blöde Hotel hatte natürlich geschlossen.
Aber immerhin hatte ich hier endlich wieder Handysignal! Ich telefonierte erst einmal ausgiebig mit Doris, und meine Stimmung wurde schlagartig viel, viel besser. Ein letztes Stück Schokolade half schliesslich, auch den restlichen Frust über diese beschissenen Kilometer zu vertreiben.
Ich wanderte weiter bis nach Kinlochbervie, wo ich direkt beim Robert McBeath Memorial mein Zelt aufstellte. Es ist ja zum Glück kein Friedhof, sondern ein Denkmal. Da bei sämtlichen Airbnbs im Ort dick und fett „No Vacancy“ stand, musste eben dieser Platz für die Nacht herhalten.

Wow morgen gehts zur Sandwood Bay!!
PS: Scheinbar empfiehlt die offizielle Wander-Bibel „Walking the Cape Wrath Trail“ von Iain Harper folgendes: Bei schlechtem Wetter nimmt man besser die Strasse nach Rhiconich, anstatt sich entlang des Loch a’ Garbh-bhaid Mòr durch den Sumpf zu quälen.
Aber eben: Ich habe mir den Führer ja bewusst nicht gekauft, weil ich nicht alles schon im Vornherein wissen wollte, aber diesen Tip hätte ich sicher befolgt.

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