16.09. Cape Wrath Trail Tag 11 vom Onkel Bridge Campsite nach Inchnadamph
16.09. Cape Wrath Trail Tag 11 vom Onkel Bridge Campsite nach Inchnadamph
The Bonnie Banks of Loch Lomond, ein schottischer Ohrwurm
Obwohl die Melodie wunderschön und mitreissend ist, ist der Text todtraurig. Er geht auf die Jakobitenaufstände von 1745 zurück.
Die berühmte Zeile „You’ll tak’ the high road, and I’ll tak’ the low road“ („Du nimmst den oberen Weg, und ich nehme den unteren Weg“) hat einen düsteren Hintergrund: Zwei gefangene schottische Soldaten in England wissen, dass einer von ihnen hingerichtet wird und der andere freikommt. Der Überlebende geht zu Fuss über die Berge nach Hause (the high road). Die Seele des hingerichteten Soldaten kehrt laut gälischem Glauben unter der Erde (the low road) sofort zurück nach Schottland, um dort begraben zu werden. Er wird seine Heimat also schneller wiedersehen als sein lebender Freund, aber sie werden sich am Loch Lomond nie wiedersehen.
Sieben Uhr morgens, der Tag fängt tatsächlich mit Sonnenschein an! Aber he, ich bin schliesslich in Schottland. Heute kommt dann schon noch Regen – und es sollte nicht zu wenig werden. Aber es ist, wie es ist. Jetzt scheint erst einmal die Sonne und ich geniesse es in vollen Zügen.
Durch das Glen verläuft eine Schotterstrasse am River Oykel entlang. Das Gewässer muss ein absolutes Eldorado für Fliegenfischer sein, denn gefühlt alle 100 Meter gibt es eine eigene Angelstelle. Jede dieser Stellen hat eine Nummer. Ich vermute mal, wenn man sich eine Lizenz kauft, kriegt man einen festen Platz zugewiesen und soll dann dort sein Anglerglück versuchen. Nach 10 Kilometern biegt die Strasse rechts ab. Direkt am Fluss gibt es aber einen schönen Pfad, und dem folgte ich, bis ein Schild die Cape Wrath Hiker auffordert, den Weg zu verlassen. Scheinbar kommt danach ein Naturschutzgebiet, das man nicht betreten soll.
Wenig später landete ich wieder auf einer Schotterstrasse. In diesem Gebiet wird gerade intensiv Holz geschlagen – ganze Hänge sind komplett kahlrasiert, was in der Landschaft immer etwas traurig aussieht. Ich kam an einem grossen Holzumschlagplatz vorbei. Da es ohnehin Zeit fürs Mittagessen war, nutzte ich die Gelegenheit, stellte kurz mein klatschnasses Zelt zum Trocknen auf und machte Pause.
Sonne und Wind erledigten ihren Job perfekt: Das Zelt war im Handumdrehen trocken und es konnte weitergehen. Der Weg führte mich am Loch Ailsh entlang zur Benmore Lodge – einem Gästehaus im absoluten Nirgendwo.
Was mir meine Gummibärchen, ist dem anderen sein Vape Stick
Mein Weg führte mich weiter nach Nordwesten in Richtung des mächtigen Massivs des Ben More Assynt. Je höher ich stieg, desto kälter und ungemütlicher pfiff mir der Wind um die Ohren. Und plötzlich steht da mitten in der schottischen Wildnis ein Engländer auf dem Weg und ist gemütlich am Vapen!
Ich lief auf ihn auf und sagte ihm im Vorbeigehen, dass sein Regenschutz gar nicht mehr seinen Rucksack abdeckt, sondern nur noch schlaff hinten runterhängt. „Oh, den lasse ich gerade trocknen!“, meinte er nur und fragte, von wo ich denn heute herkomme. Als ich ihm erzählte, dass ich heute Morgen an der Oykel Bridge gestartet bin, konnte er es kaum glauben und murmelte, dass er wohl einiges langsamer unterwegs sei. Ist doch völlig egal – jeder läuft eben seine eigene Pace!
Hier war ich vor lauter Quatschen aber kurz unkonzentriert. Ich zog einfach an ihm vorbei und folgte dem gut ausgetretenen Wanderweg. Dumm nur: Dieser Pfad führte steil hoch zum Dubh Loch Mòr (dem schwarzen See). Ich hätte aber eigentlich nach Westen abbiegen müssen, durch den Bergsattel zwischen dem Munro Conival und dem Hügel Breabag.
Der Engländer folgte mir zunächst auf dem falschen Weg. Als ich meinen Fehler bemerkte und querfeldein auf die richtige Route wechselte, sah er mich plötzlich am anderen Hang. Er rief rüber und deutete mir mit wilden Gesten an, dass ich wohl falsch sei. Ich schrie gegen den Wind zurück: „Nein, hier drüben geht es lang!“ und winkte in Richtung des eigentlichen Passes. Er schüttelte nur den Kopf und ging stur weiter. Nun ja – der See da oben ist eine absolute Sackgasse, er wird es schon noch merken.
Als ich endlich wieder ein Steinmännchen sah und ich auch laut Garmin wieder auf meiner Route war, schrie ich nochmals laut in die Landschaft, damit er wusste, dass der Weg eigentlich hier drüben weitergeht. Keine Ahnung, ob er es hörte, aber da er ja wie ich solo unterwegs ist, wird er ja wohl wissen, was er tut. Für mich habe ich ihn so gut es geht auf unseren Verhauer aufmerksam gemacht, für den Rest ist er selber verantwortlich.
Kein Netz und kein doppelter Boden
Ich stieg weiter hoch zum Pass zwischen dem Conival und dem Breabag. Das Gelände hinter dem Pass war ordentlich steil. Bei uns in der Schweiz wären an so einer exponierten Stelle im Gebirge mit Sicherheit Ketten oder Seile zum Festhalten montiert gewesen. Hier in Schottland? Absolute Fehlanzeige! Hier gibt es gar nichts, und das, obwohl man an dieser Flanke richtig blöd und tief abstürzen kann. Hier möchte ich im dichten Nebel auf alle Fälle nicht durchmüssen!
Danach wurde das Gelände zum Glück wieder flacher und ich konnte schon den Loch Assynt erblicken. Der restliche Abstieg hinunter nach Inchnadamph war nicht mehr schwierig. Dort angekommen, stellte ich mein Zelt direkt am Fluss auf und beendete diesen ereignisreichen Tag.







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