13.09. Cape Wrath Trail Tag 8 von Kinlochewe zur Shenavall Bothy

 13.09. Cape Wrath Trail Tag 8 von Kinlochewe zur Shenavall Bothy


Im Ben Navis wurde ich gefragt weshalb ich so gerne wandere. Deshalb!


Schottland, ich danke dir für diesen Tag!
Um sechs Uhr morgens wurde ich allerdings erst einmal unsanft von meinen Nachbarn geweckt. Scheinbar haben die Belgier all ihre Sachen in Plastiksäcken verstaut, wissen aber selbst nicht so genau, was in welchem Sack steckt. Und so raschelte es und raschelte es, bis sie endlich ihre sieben Sachen fürs Frühstück zusammengesucht hatten. Wenn ich jetzt aber schon mal wach bin, kann ich auch getrost aufstehen. Da ich gestern im Dorfladen nicht nur Junkfood eingekauft hatte, gab es zu den obligatorischen Nutella-Bagels heute sogar ein Joghurt dazu. Das Zelt musste ich wieder einmal klatschnass einpacken – aber ich war mir sicher, dass ich im Laufe des Tages eine Pause finden würde, um es kurz in der Sonne zu trocknen.
Ich packte zügig meinen Rucksack und war ready to go. Ich starte unheimlich gerne früh am Morgen. Das Licht zu dieser Zeit ist einfach magisch, und man sichert sich so auch immer ein gutes Zeitpolster für ungeplante Pausen. Ich wünschte den Belgiern eine tolle Wanderung und machte mich auf den Weg.

Es ging am Kinlochewe River entlang zum berühmten Loch Maree und von hier aus durch das spektakuläre Gleann Bianasdail hoch. Durch das Tal fliesst der Fluss Abhainn an Fhasaigh, vorbei an unzähligen Wasserfällen. Wer ganz genau hinschaut, kann im Fels sogar uralte Gletschermühlen entdecken. Schliesslich erreichte ich das Hochtal mit dem sagenumwobenen Lochan Fada.


Kulisse wie aus dem Bilderbuch

Was für ein Anblick! Der einsame Bergsee liegt eingebettet in einer absolut dramatischen Bergkulisse. Am Ufer gönnte ich mir eine ausgiebige Pause, die ich ständig fürs Fotografieren unterbrach. Es war faszinierend: Das exakt gleiche Motiv sah durch das wechselnde Licht alle paar Minuten völlig anders aus. 



Und bevor jetzt jemand behauptet, das sei Photoshop: Nix da! Alles war genau so, wie ich es auf den Bildern festgehalten habe – nein, in der Realität war es sogar noch viel spektakulärer. Einfach traumhaft!
Mein Weg führte mich weiter über den Pass Bealach nan Croise ins nächste Tal. Es war noch einsamer, noch abgelegener und führte mich geradewegs zum Loch an Nid. Dieses Tal hat eine geografische Besonderheit und trägt zwei Namen.
Kleiner Geografie-Exkurs:
Die schottisch-gälische Sprache kennt zwei völlig unterschiedliche Bezeichnungen für ein Tal. Ein Glen ist in der Regel ein enges, steiles Tal. Das Wort Strath hingegen wird für breite, flache Täler verwendet. 
Der obere, enge Teil meines Weges hiess passenderweise Glen Loch an Nid. Circa drei Kilometer unterhalb des Sees öffnet sich das Tal jedoch nach Westen und wird richtig breit – ein klassisches U-Tal, das von einem eiszeitlichen Gletscher geformt wurde. Ab hier ändert sich der Name, und der Fluss heisst nun Abhainn Strath na Sealga.




Die „bewachte“ Bothy und der Frust drinnen
Am Fusse des mächtigen Sgùrr Fiòna liegt die berühmte Shenevall Bothy, mein heutiges Tagesziel. Die Hütte wurde bei meiner Ankunft scheinbar von einem schottischen Hochlandrind bewacht. Zumindest sah es verdammt danach aus, da dieses hübsche, zottelige Tier direkt vor der Eingangstür in der Sonne lag und döste.


Ich war an diesem Tag ziemlich genau 10 Stunden unterwegs. Ich richtete mich im Dachstock ein, der einen tollen Schlafraum bietet. Isomatte und Schlafsack wurden ausgerollt, und ich freute mich schon auf eine ruhige Nacht.

Beim Blick ins Erdgeschoss verflog die gute Laune allerdings schnell. Das Wohnzimmer und die Küche wurden von rücksichtslosen Vorgängern regelrecht verunstaltet. Alle Wände waren vollgekritzelt und in der Küche lag haufenweise Müll herum. Es gibt den offiziellen Bothy Code der Mountain Bothies Association, und der lautet unmissverständlich: Leave no trace! Nimm deinen Müll wieder mit und hinterlasse die Hütte sauberer, als du sie vorgefunden hast. Eigentlich sollte das unter Outdoor-Freunden absolut selbstverständlich sein. Aber hier haben sich leider viele nicht daran gehalten. Wie dumm muss man eigentlich sein, um primitives Bahnhofsklo-Gekritzel an die Wände einer solchen Schutzhütte zu schmieren? Sowas ist einfach nur traurig und ärgerlich.
Das Stakkato der Plastiksäcke
Zwei Stunden später trafen dann tatsächlich auch noch die vier Belgier ein. Als sie mit ihrem Abendessen fertig waren, lag ich schon lange im Bett. Da es unten noch einen zweiten Raum gab, hoffte ich inständig, sie würden sich dort einquartieren. Aber weit gefehlt!

Zuerst kamen zwei von ihnen hoch in den Schlafraum und fingen an, sich einzurichten. Raschel, raschel, raschel... Es war der pure Wahnsinn. Da ja scheinbar jeder einzelne Ausrüstungsgegenstand in einer eigenen Plastiktüte steckte, wurde ich von dem ewigen geraschel sofort wieder hellwach. Danach folgte das endlose Pusten, bis endlich die Isomatten aufgeblasen waren. Als endlich Ruhe einkehrte, schöpfte ich Hoffnung. Doch kurz darauf kamen die anderen beiden Typen hoch und das ganze Stakkato ging von vorne los.

Mir riss dann endgültig der Geduldsfaden. Ich motzte die Truppe erst einmal ordentlich an, dass ich hier pennen möchte und sie gefälligst leise sein sollen! Das brachte allerdings nicht wirklich Besserung. Mir wurde es schliesslich zu dumm: Ich packte mitten in der Nacht genervt meine Sachen und wechselte hinunter in das zwar weniger schöne, aber immerhin menschenleere Zimmer im Erdgeschoss. Dort hatte ich dann endlich meine Ruhe.

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