08.09. Cape Wrath Trail Tag 3 von der A'Chuil Bothy zur Barrisdale Bay
08.09. Cape Wrath Trail Tag 3 von der A'Chuil Bothy zur Barrisdale Bay
Das war ja vielleicht eine miese Nacht! Die ganze Zeit über hat es wie aus Eimern geregnet und gestürmt. Gestern Abend war ich noch richtig happy mit dem Zeltplatz gewesen – weit und breit die einzige flache Stelle, und der Boden war einigermassen trocken und nicht sumpfig. Aber kaum stand das Zelt und ich hatte mich eingerichtet, ging es auch schon los: Die ganze Nacht blies ein heftiger Wind durch das Tal und traf mich voll. Zum Glück stand das Zelt wenigstens halbwegs zum Wind und so wurde ich zwar richtig durchgeschüttelt und plattgedrückt, aber immerhin die Stangen würden so sicher nicht brechen. Ein Hilleberg-Zelt hält zum Glück ja einiges aus. Trotzdem, Lektion gelernt: In Zukunft muss ich besser schauen, wo ich das Zelt aufstelle. Hinter einem Felsen wäre es definitiv ruhiger gewesen.
Nach dem obligatorischen Kaffee und Nutella-Bagel packte ich meine Sachen. Es ging direkt hoch zum Màm Unndalain auf 560 m ü. M.
Je höher ich kam, desto stärker pfiff mir der Wind um die Ohren. Immerhin war das Wetter halbwegs schön. Also sagen wir es so: Es war typisch schottisches Wetter, sprich: Regen wechselte sich im Minutentakt mit keinem Regen ab. Aber dafür ist die Landschaft hier eben auch immer saftig grün und nicht so vertrocknet, wie man es momentan aus der Schweiz kennt. Zugegeben, die Temperaturen sind auch nicht ganz die gleichen – es war richtig kalt.
Highlander-Vibes und Känguru-Rucksäcke
Der Weg führte mich anschliessend entlang des Finiskaig River hinunter zum Fjord Loch Nevis, an dessen Ende die bekannte Sourlies Bothy liegt. Kurz vor der Hütte passierte ich eine alte Ruine und fühlte mich gleich wie Connor MacLeod im Film Highlander.
Kleiner Exkurs ins Schottisch-Gälische:
Das Wort Màm bedeutet wortwörtlich übersetzt „Brust“, wird als Landschaftsbezeichnung aber für Hügel oder Pässe benutzt.
Loch bezeichnet primär einen See, wird in Schottland aber eben auch für Meerarme – also Fjorde – verwendet.
Ein Bothy ist eine einfache, kostenlose Schutzhütte und da es nie Holz zum feuern hat und zum schlafen auch nur Pritschen kann man sie nicht wirklich mit einer norwegischen Hütte vergleichen. Immerhin man ist darin im Tockenen und dass ist doch schon mal etwas.
Ich nutzte die Bothy für eine Pause und ein warmes Mittagessen. Frisch gestärkt ging es danach durch sumpfiges Schwemmland zum Carnach River. Zum Glück steht dort eine massive Brücke, sodass mir eine hüfttiefe Flussdurchquerung erspart blieb.
Mein Weg verlief am westlichen Ufer immer weiter flussaufwärts. Plötzlich tauchten vor mir eine Frau und ein Mann auf. Beide hatten gigantische Rucksäcke auf dem Rücken – und da der Platz scheinbar immer noch nicht reichte, trugen beide zusätzlich noch einen kleineren Rucksack vorne am Bauch. Kann man machen, aber ist das auf Dauer wirklich bequem? Die Beiden waren dementsprechend auch einiges langsamer unterwegs. Ich wünschte ihnen ein kurzes „Happy Trail!“ und zog zügig an ihnen vorbei.
Wenn der Trail ein Bach ist
Bald erreichte ich einen Bach, der von links oben in den Fluss mündet. Ab hier ging es 500 Höhenmeter steil nach oben zum nächsten Pass, der mich ins Gleann Unndalan bringen sollte.
Eigentlich war das kein Weg mehr, sondern eher das Wandern in einem aktiven Bachbett. Es regnete einfach so ununterbrochen fest und die Böden waren derart mit Wasser vollgesogen, dass sie keinen Tropfen mehr aufnehmen konnten. Das Wasser sucht sich nun mal den einfachsten Weg nach unten – und das war in diesem Fall genau der Pfad, den ich hochmusste. Das Thema „trockene Schuhe“ ist so natürlich reine Wunschvorstellung. Wer in solchen Momenten wasserdichte Socken trägt, hat definitiv die richtige Ausrüstung eingepackt!
Von der Passhöhe ging es anschliessend natürlich auch wieder die 500 Höhenmeter runter zur Barrisdale Bay am Loch Hourn. Ein langer, nasser, aber absolut genialer Tag endete schliesslich mit einem fantastischen Zeltplatz direkt am Fjord.
Was will man mehr?













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